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Mit dem Scan-Truck von Arvato zum papierlosen Büro.

 

von Michale Schuh

Gütersloh. 70 Prozent der deutschen Firmen arbeiten laut Studien noch immer papiergebunden; das heißt: Unterlagen werden in Akten geheftet und diese anschließend in Schränken verstaut. Wären die Dokumente stattdessen auf Computern oder externen Festplatten abgespeichert, würde das nicht nur den Zugriff erleichtern, sondern auch jede Menge Platz sparen. Und genau da setzt das neueste Projekt von Arvato CRM Solutions an: Firmen, Behörden, Banken oder Archive können den Scan-Truck ordern, in dem analoge Daten direkt vor Ort in digitale umgewandelt werden.

16 Meter lang, bei ausgefahrenen Seitenteilen 4,85 Meter breit, 24 Tonnen schwer und 450 PS stark: Die Werte des Mercedes-Trucks, dessen Aufbau die Delbrücker Firma Fahrzeugbau Krukenmeier übernahm, können sich sehen lassen. Allerdings sind die räumlichen Ausmaße auch vonnöten, verfügt das Gefährt im Innern doch über eine Art Großraumbüro: Zehn Arbeitsplätze stehen den Mitarbeitern zur Verfügung, ein weiterer Platz ist für den sogenannten Supervisor reserviert, der den Lastwagen zudem an den Einsatzort steuert.

Wenngleich das Fahrzeug vor moderner Technik nur so strotzt, ist das Konzept dahinter verhältnismäßig einfach: Ein Unternehmen ordert den Truck, der daraufhin anreist und - im besten Falle - direkt auf dem Firmengelände parkt. Mit Rollwagen transportieren die Arvato-Mitarbeiter anschließend die Akten vom Gebäude in den Truck, wo ein 300 Kilogramm schwerer Scanner für die digitale Umwandlung verantwortlich zeichnet: Bis zu 100.000 Blatt Papier schafft das Gerät pro Tag. Abends werden die auf einer Festplatte gespeicherten Dokumente dann dem Auftraggeber übergeben, damit sich nachts keinerlei Daten in dem Fahrzeug befinden. Sicher ist sicher.

Generell seien die Akten nun erheblich besser geschützt als zu Zeiten, in denen sie für eine Digitalisierung oftmals über hunderte Kilometer transportiert werden mussten, weiß Projektleiter Klaus Peter Horstmann, einer der Väter des Scan-Trucks: "Eine Gefahr durch Feuer oder Wasser bestand immer." Zudem gehe mit dem rollenden Büro eine ungemeine Zeitersparnis einher, fügt Arvato-CRM-Solutions-Geschäftsführer Daniel Welzer hinzu: "Denn früher mussten die Akten und Unterlagen aufwändig verpackt und zu einem Dienstleister verschickt werden." Das entfällt nun.

Pro Blatt Papier muss der Kunde zwischen 5 und 30 Cent zahlen; eine exakte Preisfindung hänge laut Klaus Peter Horstmann von den Wünschen des Auftraggebers ab. Der kann nämlich unter anderem festlegen, ob die Unterlagen auf Knopfdruck beispielsweise als Bewerbung erkannt oder ob spezielle Dateien angelegt werden. Hinzu kämen manchmal auch handwerkliche Tätigkeiten, weiß der Projektleiter: "Tackernadeln oder Büroklammern werden von unseren Mitarbeitern entfernt."

Im Grunde genommen sollte der Kunde nur über eine Toilette und einen Stromanschluss verfügen, sagt Horstmann; wobei die Elektrizität noch nicht einmal zwingend erforderlich sei: "In dem Scan-Truck befindet sich ein Generator, der bis zu vier Tage Strom liefern kann."

Ob künftig weitere Exemplare gebaut werden, steht derzeit noch in den Sternen; denkbar, so Welzer, sei das auf jeden Fall. Zumal der Markt äußerst positiv auf diese - vielleicht sogar weltweit einmalige - Innovation reagiere. Ab sofort ist auf jeden Fall ein Scan-Truck unterwegs - und das zwischen Flensburg und Garmisch.

Quelle:http://www.nw.de.de